Von 27. Februar 2014 Teile deine Meinung!

Es ist das lehrreichste Jahr im Leben eines Menschen und nie wieder wird so viel in so kurzer Zeit erreicht. Während ein Baby in den ersten Wochen noch wie ein Laib Brot in seiner Wiege …

Den kompletten Artikel lesen »
Allgemein

Hier kommt alles rein, was sonst nirgends passt

Stillen

Infos, Tipps und Tricks zum Baby-Stillen

Tragen

Alles über’s Tragen, Tragehilfen, Mei Tai’s, Manduca usw.

Ernährung

Auf die richtige Ernährung kommt es an

Empfehlungen

Empfehlungen verschiedener Produkte (Bücher, Tragehilfen, Cremes etc.)

Was genau ist der Beckenboden?

Verfasst von am 28. März 2009 – 15:35. 1 Kommentar

Karin Schmidt / pixelio.de

Der Beckenboden besteht aus einer Gruppe von quergestreiften Muskeln und Faszien, die sich zwischen den Beckenknochen aufspannen, die Harnröhre, den Enddarm und bei Frauen die Scheide umgeben und so den kaudalen Abschluss der Beckenhöhle und damit auch des Rumpfes bilden. Der Beckenboden trägt direkt die Beckenorgane Harnblase, Gebärmutter und Darm und indirekt auch den gesamten Abdominalraum.

Die Beckenbodenmuskulatur besteht aus 3 Schichten:
Kaudal bilden brillenförmig die Mm. bulbospongiosi und seitlich davon die Mm. ischiocavernosi sowie der M. sphincter ani externus als Schließmuskeln der Ausgänge von Darm und Urogenitalsystem den bewusst am einfachsten zu kontrahierenden Teil der Beckenbodenmuskulatur.

Darüber liegt das Diaphragma urogenitale, das sich gemäß älterer Nomenklatur zusammensetzt aus Musculus transversus perinei superficialis und M. transversus perinei profundus. Diese mittlere, stabilisierende Schicht verläuft zwischen den beiden Sitzeinhöckern und ist bei Männern in etwa doppelt so dick, als bei Frauen.
Die innerste Beckenbodenschicht, das Diaphragma pelvis, besteht aus dem M. levator ani mit seinen verschiedenen Anteilen und dem M. coccygeus und ist die für ungeübte Frauen am schwersten wahrnehmbar. Sie spannt fächerförmig das kleine Becken aus und bildet so den Abschluß zum Bauchraum hin. Diese Schicht ist für die Haltung des Beckens und mithin für die gesamte Körperhaltung enorm wichtig.

Warum haben Frauen so häufig Beckenbodenprobleme?
-Eine oftmals langandauernde und wiederkehrende Überlastung und Fehlbeanspruchung, zum Beispiel durch zu schwere körperliche Arbeit (Tragen, Aufheben, Schubkarre schieben) führt zu einer fortschreitenden Schwächung des Beckenbodens. Hinzu kommt nicht selten eine konstitutionelle Bindegewebsschwäche der betroffenen Frauen. – Obstipation und Chronische Bronchitis erhöhen den Druck im Bauchinnenraum und schwächen so die Halteschicht nach unten. – Das gleiche gilt für Übergewicht.
-Hormonmangel, insbesondere Östrogenmangel, führt zu einer verminderten Durchblutung der Muskulatur und der genitalen Mukosa. Dies betrifft insbesondere postmenopausale Frauen.
-Ein Deszensus von Uterus und Harnblase, zum Beispiel nach Geburten, wird durch eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur bedingt und kann diese auch hervorrufen. – Die enorme Dehnung des muskulären Beckenkanales sub partu, die ja die Geburt des Kindes überhaupt erst ermöglicht, und natürlich Geburtsverletzungen sind eine häufige Ursache von folgenden und leider häufig bleibenden Beckenbodenproblemen. – Ursachen für eine Schwächung des Beckenbodens können auch im seelischen Bereich zu finden sein. Dabei scheint es insbesondere um das Thema des Sich-Öffnens auf der einen und Grenzen-Ziehens auf der anderen Seite zu gehen.
Dieses gilt insbesondere für Frauen, die Gewalterfahrungen wie sexuellen Missbrauch in der Kindheit oder Vergewaltigungen erlitten haben.

Diesen tiefen Zusammenhang zwischen Beckenboden und Seele macht sich die Körperpsychotherapie zunutze. Hier wird das Wecken der Energien im Beckenboden schon seit langem als für die Seele heilend eingesetzt. Schon Wilhelm Reich, einer der Urväter der Körperpsychotherapie, postulierte: „Jeder Muskel birgt auch ein Gefühl“.
Beckenboden-Arbeit kann daher erfolgreich bei verschiedensten seelischen Störungen eingesetzt werden. Dazu zählen Beziehungsprobleme, Sexuelle Schwierigkeiten, Angst- und Panikzustände, Depressionen, Dissoziative Störungen, Kontaktschwierigkeiten und Essstörungen.

Beckenboden und Sexualität
Eine erfüllte, lebendige Sexualität trägt sehr zu unserer seelischen Zufriedenheit und Ausgeglichenheit bei. Beckenbodenarbeit trainiert genau die Muskulatur, die zum Liebe machen und für das intensive orgiastische Erleben gebraucht wird. Dabei ist nicht nur der Aspekt des willentlichen Kontrahierens, und damit die Muskelstärke, sondern auch die erlernbare Fähigkeit, bewusst zu entspannen, für das Erleben lustvoller Sexualität von großer Bedeutung.

Diagnostik der Beckenbodenschwäche
Die erste Säule der Beckenboden-Funktionsdiagnostik ist eine differenzierte urogynäkologische Anamnese. Dazu gehören die Fragen nach der befriedigt erlebten Sexualität und nach der Kontinenz. Ebenso unverzichtbar ist die Inspektion und klinische Untersuchung. Die Introitus- oder Perinealsonographie erlaubt eine Visualisierung der Beckenbodenkontraktilität. Das dynamische MNR, welches ebenfalls die Funktion des Beckenbodens abbilden kann, bleibt aus Kostengründen Spezialfragen vorbehalten.
Die Urodynamik, bestehend aus Zystometrie, Urethrozystotonometrie und Uroflow, erlaubt eine Differenzierung der verschiedenen Inkontinenzformen und ist obligater Standard vor jeder Inkontinenz-Operation.

Therapiemöglichkeiten
First-line-Therapie einer geschwächten Beckenbodenmuskulatur ist ein gezieltes Training. Abhängig von Methode und Vorraussetzungen der betroffenen Frau ist dabei von 50 – 80% Erfolgsrate auszugehen. Neben der objektiven Besserung der Beschwerden profitiert die Frau immer auch in punkto Selbstbewusstsein und verbessertes Körperbewusstsein.
Dabei ist eine Anleitung durch entsprechend geschulte Therapeuten dringend zu empfehlen. Nachdem der Beckenbodenbereich lange auch in der Gynäkologie und Urologie „Stiefkind“ war, ist es dabei wichtig, gute Therapeuten zu empfehlen, die um die Bedeutung der Beckenbodenarbeit wissen und speziell dafür geschult sind. Zu der gezielten krankengymnastischen Übung gehört eine Verhaltensschulung. Diese muss eine Aufklärung über beckenbodengefährdendes Verhalten umfassen. Falsches Heben (siehe Rückenschulung), zu früh post partum begonnenes Bauchmuskeltraining oder Fitneß-Geräte-Training ohne gleichzeitige Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur schädigen den Beckenboden fortwährend. Sportarten wie Tennis, Squash oder Jogging, bei denen durch die ruckartigen Bewegungen der Beckenboden plötzlich massiv belastet wird, sind erst dann gesund, wenn auch die den Körperabschluss bildende Beckenbodenmuskulatur dieses halten kann. Beckenboden-gesunde Sportarten hingegen sind zum Beispiel Reiten, Skaten, Ski-Langlaufen, Schwimmen, Radfahren, Walking oder Bauchtanz.
Jeder Inkontinenzoperation sollte ein suffizientes Beckenbodentraining vorausgehen und nachfolgen. Dieses verbessert die Langzeiterfolge der operativen Therapie deutlich und stärkt Körper- und Selbst-Bewusstsein der an Inkontinenz leidenden Frau.
Die Krankengymnastin Frau Renate Tanzberger hat in vielen Jahren ein exzellentes krankengymnastisches Konzept entwickelt, um Beckenbodenaufbau zu erlernen. Die von ihr geschulten Krankengymnasten/innen bieten ein sehr gezieltes Schulungs- und Übungsprogramm an und gehen dabei speziell auf die verschiedenen Beschwerdebilder, wie zum Beispiel die verschiedenen Formen der Inkontinenz, ein. Die praxis- oder klinik-nächste „Tanzberger-Therapeutin“ lässt sich einfach durch Nachfrage bei dem Landesverband für Krankengymnasten unter mail@zvk-bay.de erfragen.
Tigerobics ist ein beckenbodenzentriertes Aerobic- und Walkingprogramm für alle bewegungsbegeisterten Frauen. Die Übungen sind einfach, machen Freude, und vergessen bei allem Training von Power und Problemzonen nie den Beckenboden. Info unter www.tigerobics.de.
Frau Irene Lang-Reeves hat ihre umfangreichen Erfahrungen als Beckenbodenkursleiterin in einem sehr empfehlenswerten, gut verständlichen Einsteigerbuch zusammengefasst, das wirklich Lust macht, gleich mit dem Üben zu beginnen. Info über ihre Beckenboden-Tageskurse im Münchener Raum unter www.irene-lang.de .
Frau Benita Cantieni, Zürich, hat als erste die Prinzipien der Spiraldynamik nach Christian Larssen mit den Beckenbodenübungen verbunden und ein sehr umfassendes, wunderbar in den Fitness- und Joggingbereich integrierbares Bewegungskonzept geschaffen. Für Fitnessbegeisterte, die mit vielschichtigen Bewegungsabläufen vertraut sind, ideal. Info unter www.cantienica.de.

Gerade für Frauen, die gar nicht in der Lage sind, ihren Beckenboden bewusst anzuspannen, gibt es Möglichkeiten hilfsmittelgesteuerten Trainings.
So lassen sich mittels Elektrostimulation durch Aktivierung des Nervus pudendus bei täglichem Üben von 2 mal 20 Minuten nach einigen Monaten Erfolgsraten von bis zu 90% erzielen.
Biofeedback-Verfahren arbeiten mit einer Rückmeldung durch optische oder akustische Signale für die richtige Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur. Auch diese Methode hilft gerade Anfängerinnen ausgezeichnet, ein Gefühl für ihren Beckenboden zu bekommen und diesen wieder willentlich kontrahieren zu können. Auch hier werden Trainingserfolge von 60 – 80% beschrieben.
Vaginal-Konen sind etwa 8 cm lange, hantelförmige Kunststoffstöpsel, die wie ein Tampon in die Vagina eingeführt werden. Die Beckenbodenmuskulatur arbeitet nun nicht mehr ins Leere, sondern gegen einen elastischen Widerstand. Anhang des aus der Vagina herausschauenden Stabs, der sich bei Anspannung senkt und bei Entspannung wieder hebt, kann die übende Frau leicht feststellen, ob sie richtig trainiert. Schon mit täglich 6 Minuten Training kann hierdurch ein nachweisbarer Muskelaufbau erzielt werden. Als Beispiel hierfür sei die Trainingshilfe C.O.M.E. genannt, www.come.info.

Und sonst noch?
Unterstützend für die Beckenbodenarbeit ist eine gute Atemtechnik. Beckenbodenkontraktionen sollten synchron mit dem Ausatmen erfolgen, so dass zeitgleich Zwerchfell und Beckenboden angespannt werden. Dabei kann das Sprechen von Tönen oder Worten hilfreich sein. So unterstützt das Ausatmen mit dem Laut CH über den Widerstand der Stenose, die zwischen Zungenrücken und Gaumendach entsteht, die Ausatmung und bewirkt so eine zusätzliche Tonisierung von Bauch- und Beckenbodenmuskulatur. Werden Atembewegungen mit gezielter Aufmerksamkeit übend wahrgenommen, verbessert sich auch insgesamt die Selbstwahrnehmung. Auch dieses unterstützt das Beckenbodentraining, bei dem es ja um die „leisen Töne“ geht.
Frau Tanzberger beschreibt in ihrer Arbeit den Beckenboden ganz bewusst mit sich bewegenden Bildern, um den übenden Frauen eine bessere Vorstellung ihres Beckenbodens zu ermöglichen. So vergleicht sie diesen mit einem Trampolin, das nach innen oben federn kann, als Welle oder auch mit einer Seerose, deren Blätter sich im Rhythmus der Atmung zur Blüte hin öffnen bzw. zur Knospe hin verschließen.

Unterstützend sind auch alle Entspannungsverfahren, so zum Beispiel Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung. Zu jeder Anspannung, Tonisierung, gehört eben auch die bewusst steuerbare Entspannung.

Arbeit im Team
Neben der Zusammenarbeit mit kompetenten Physiotherapeuten ist gegebenenfalls an eine begleitende Psychotherapie zu denken, wenn sich der Schwerpunkt des Leidens oder die Gründe der Beckenbodenschwächung auch im seelischen Bereich finden lassen, wie dies zum Beispiel bei traumatisierten Frauen der Fall ist.
Frauen, die schwere Geburten oder vaginal-operative Entbindungen mit einer möglichen Beeinträchtigung des knöchernen Beckens in der Vorgeschichte haben, kann zudem durch eine zusätzliche osteopathische Therapie geholfen werden.

Wie auch immer die Therapieempfehlung lautet, die betroffene Frau wird von einem Beckenbodentraining in vielfältiger Weise profitieren. Wichtig ist es, dass die Frauen nach einer Zeit intensiven und in der Regel angeleiteten Übens lernen, das „Beckenboden-Bewußtsein“ in den Alltag zu integrieren. Wenn wir vielleicht auch nicht gar so aufrecht zu gehen lernen, wie die Afrikanerinnen, so ist uns mit einem gut trainiertem Beckenboden doch Lebensfreude und besseres Körper- und damit auch Selbstbewusstsein gewiss.

Quelle: natum.de

Teile diesen Artikel

Die Kurz-URL lautet: http://stbl.tk/lSUBz

Über den Autor:

Ich bin Vater von zwei wunderbaren Jungs und ich unterstütze die natürlichste Sache auf der Welt: das Stillen. Ihr findet mich auch bei Facebook, Twitter,

Schlagwörter: becken, Beckenboden, Beziehung, bronchitis, diaphragma, dick, Entbindung, entspannung, Fragen, lebensfreude, musculus, Mutter, narbe, pelvis, scheide, sexualität, Tragen, uterus

Kommentar schreiben!

Bitte kein Spam oder Werbung. Danke!