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Es ist das lehrreichste Jahr im Leben eines Menschen und nie wieder wird so viel in so kurzer Zeit erreicht. Während ein Baby in den ersten Wochen noch wie ein Laib Brot in seiner Wiege …

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Was ist das Continuum Concept?

Verfasst von am 10. Dezember 2007 – 07:46. 1 Kommentar

Jean LiedloffDas Continuum Concept wurde von Jean Liedloff in den 70er Jahren vorgestellt in ihrem Buch: “Auf der Suche nach dem verlorenen Glück”.
Ganz grob angerissen geht es im CC darum, dass Kinder nicht erzogen werden müssen, sondern dass davon ausgegangen wird, dass Kinder von Geburt an am gesellschaftlichen Leben teilnehmen wollen und dass sie es in angemessener Weise von alleine tun werden – wenn man nur selbst den respektvollen Umgang mit seinen Mitmenschen (also auch mit seinen Kindern) pflegt (und somit ständig Vorbild ist), ihnen genügend Zeit lässt, ihrem eigenen Tempo zu folgen, sich der Gesellschaft anzupassen bzw. diese kennen zu lernen und, vor allem, wenn man das Vertrauen durch Erziehung und Machtkampf nicht zerstört.

Liedloff beschreibt in ihrem Buch ganz eindrucksvoll, wie Kinder, deren Vertrauen nicht zerstört wurde, sowieso schon ganz von alleine alles “richtig” machen, was wir meinen anerziehen zu müssen. Ihrer Theorie nach (CC), geht es insbesondere um drei Punkte:

  • Tragen
  • Stillen
  • Familienbett

Ihrer Ansicht nach wird das Vertrauen der Kinder in die Eltern zerstört, wenn die Eltern es “daran gewöhnen”, in einem anderen Zimmer oder Bett zu schlafen, wenn es schreien gelassen wird, weil “es gut für die Lungen ist”, wenn es liegen gelassen wird, damit es sich nicht an Getragenwerden “gewöhnt”, etc.Sie begründet ihre Annahme damit, dass der Mensch quasi “genetisch” bestimmte “Erwartungen” an die Welt in sich trägt: Das Baby erwartet naturgemäß, dass es getragen wird – die Natur kann ja keine Kinderwagen vorgesehen haben; es erwartet naturgemäß, dass es gestillt wird – die Natur kann ja keine Flaschenmilch vorgesehen haben und es erwartet naturgemäß, mit der Mutter zu schlafen – die Natur kann keine Fremdwärme (Decken, eigenes Bett, Heizung) vorgesehen haben, sondern die Körperwärme der Mutter (bzw. eines anderen Menschen).Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, so verliert das Kind laut Liedloffs Theorie zum einen nach und nach das Vertrauen in seine Bezugspersonen, zum anderen entsteht ein Mangel, das mit zunehmendem Alter zu der typischen Unzufriedenheit des “westlichen” Bürgers wird. Zudem weiß der Mensch nie genau, wonach er sucht und befindet sich daher ständig “auf der Suche” (nach Sinn, nach Aufgabe, nach Erfüllung, nach dem richtigen Partner, nach noch etwas Neuem, und nach mehr…), die im schlimmsten Fall gefährlich endet, z.B. bei Sucht.Nur ein Kind, dass seinen Bezugspersonen vollends vertraut, wird ihnen gegenüber auch die Folgebereitschaft zeigen, die Erziehung unnötig macht. Das fehlende Vertrauen hingegen führt dazu, dass sich Eltern zunehmend “gezwungen” fühlen, Erziehungsmaßnahmen anzuwenden, da sonst die gesellschaftlich erwünschten Verhaltensregeln nicht eingehalten werden.Tragen ist das A und O bei Liedloff – sie geht davon aus, dass die Babys und Kleinkinder naturgemäßg getragen werden wollen, um die Welt zu erleben und von ihr zu lernen. Das Kind in den Arm zu nehmen, ist für sie nicht “verwöhnen”, sondern genau das, wozu das Weinen des Kindes auffordern will und richtig ist. Für den Alltag werden Tragetücher und andere flexible Tragehilfen empfohlen (die mehrere Trageweisen erlauben, beispielweise eine Rückenbindung, um nebenher Arbeiten verrichten zu können).Des Weiteren sei traditionelle (westliche und verwestlichte) Erziehung stets zu kindzentriert – das heißt, man “betüttelt” das Kind die ganze Zeit und spielt was vor, zeigt Dinge, die nur für das Kind gedacht sind (sonst nicht Bestandteil der gesellschaftlichen bzw. familiären Aktivitäten).Liedloff dagegen ist der Ansicht, dass Kleinkinder und Babys insbesondere eigentlich nur “dabei sein” wollen (am Besten durch Getragenwerden), wenn die Erwachsenen sich um ihr eigenes Leben und um das der Gemeinschaft kümmern. Angeregt durch dieses Vorbild (Erwachsene arbeiten aktiv an der Gemeinschaft mit) will das Kind automatisch genau das gleiche machen: aktiv am Gesellschaftsleben teilnehmen.Liedloff betont außerdem die Vorteile einer Großfamilie, die ja bei uns bekanntlich nur noch selten vorhanden ist, was vielerseits bedauert wird. Die Vorteile liegen insbesondere in der gleichmäßigeren Verteilung der Hausarbeit und Kinderbetreuung.Einer ihrer Vorschläge für die Umsetzung des CC in unserer heutigen Zeit ist z.B., dass sich Eltern, die sowieso zu Hause bei ihren Kindern bleiben, sich nicht nur zu Krabbel- und Stillgruppen treffen, sondern z.B. auch gemeinsam den Haushalt zu erledigen – so wäre dieser nicht nur effizienter geschafft, sondern auch mit viel mehr Spaß und Unterhaltung, und die Kinder würden mitbekommen, dass Haushalt eine ganz normale, soziale Aktivität ist, was sie viel eher zur Nachahmung motivieren würde als der lästige und häufig ewige Kampf mit dem Kind um Erziehungsfragen rund um den Haushalt.Liedloff stützt ihre Theorie auf Verhaltensweisen der Yequana, einen Indianerstamm in Venezuela, den Liedloff einige Jahre lang beobachten und miterleben konnte. Die Theorie ist sehr “streng” und mutet manchmal etwas absolutistisch an – nachdem man das Buch gelesen hat, macht man sich regelrecht Vorwürfe, so vieles “falsch” gemacht zu haben. Die “Strenge” (unbedingt Tragen, unbedingt Stillen, unbedingt Familienbett) soll jedoch vielleicht nur ein hohes “Idealbild” abgeben. Denn ich persönlich habe von Anfang an gestillt, getragen und mein Kleiner ist auch von Geburt an im Familienbett. Ich denke, jeder muss für sich selbst – und für sein Kleines – ein gesundes Mittelmaß finden… Liedloff schreibt teilweise etwas “hart”.In der Praxis jedoch sieht es nicht mehr so eng aus, weil der Umgang mit Menschen im Allgemeinen sowieso immer eine individuelle Anpassung erfordert. In den Communitys, die sich mittlerweile um das CC gebildet haben, wird es nicht so streng gesehen: Wenn Stillen unerwünscht oder nicht möglich ist, dann halt nicht; wenn man sich im “Familienbett” unwohl fühlen würde, oder das Kind nur getreten wird, ist ein separates Bett besser; wenn Tragen nicht möglich ist (zu viele Kinder, kleine Familie, Rückenprobleme, große Unlust etc.) – dann eben nicht, etc.Im Großen und Ganzen geht es darum, den Ur-Bedürfnissen (laut Liedloff: Geborgenheit durch Körpernähe, intaktes Vertrauensverhältnis) nachzukommen – wie man das macht, vor allem in der heutigen Zeit, in unserer nicht-indianischen Gesellschaft, wird jedem selbst überlassen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass sich CC-Anhänger relativ einig darüber sind, dass nicht alles eingehalten werden kann, was laut der Theorie wünschenswert wäre. Daher kann man hier nicht von einem starren “Konzept” reden, nachdem Hebammen und Tagesmütter arbeiten (“sollen”).Nähere Informationen findet man hier: www.continuum-concept.org oder www.continuum-concept.de und natürlich in ihrem Buch, welches sich übrigens spannend wie ein Roman lesen lässt – mit Ausnahme des Kapitels, indem der Begriff “Kontinuum” erklärt wird ;)

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Über den Autor:

Ich bin Vater von zwei wunderbaren Jungs und ich unterstütze die natürlichste Sache auf der Welt: das Stillen. Meine zwei Jungs wurden bis zu 24 Monate gestillt und diese Erfahrungen möchte ich als Vater mit euch teilen. Ihr findet mich auch bei Facebook, Twitter,

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1 Kommentar »

  • meggie sagt:

    hallo! Wir haben uns kurz bevor unsere Kleine (jetzt 3) zur Welt kam ein Familienbett, daß heißt eine dritte Liegefläche angebaut, damit unser großer (jetzt 7) nicht auswandern muß. Wir genießen unser Familienbett immer noch. Vor allem als die beiden noch ganz klein waren, war es ungeheuer praktisch kurz mal nachzuschauen, den schnuller zu geben oder auf kleine “Maunzer”zu reagieren. Ich kann dies jedem nur empfehlen. Grüße Meggie

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