Klinik, Geburtshaus, zuhause … wo soll unser Baby zur Welt kommen

Andrea Damm / pixelio.de

Viele Eltern stehen im Laufe der Schwangerschaft vor dieser Frage. Gemeinsam machen sie sich Gedanken darüber, wie und vor allem wo ihr Baby zur Welt kommen darf. Ich habe dieses Thema zum Thema des Monats gemacht, weil ich von der großen Unsicherheit der Geburtsortwahl weiß und in meinem Arbeitsalltag sehr häufig damit konfrontiert werde.
Zunächst einmal möchte ich Ihnen meine eigenen Erfahrungen schildern:

Für mich persönlich war immer klar, dass unser Baby einmal zuhause zur Welt kommen darf. Geradezu selbstverständlich führte ich ausführliche Gespräche mit unserer Hausgeburtshebamme, bereitete alles vor, holte die Papiere vom Standesamt, kümmerte mich um einen Kinderarzt, der bereit war zur Untersuchung des Kindes zu uns nach Hause zu kommen und bastelte sogar eine Geburtskerze.

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Alles war vorbereitet. Doch natürlich habe auch ich noch einmal Kontakt mit den umliegenden Kliniken aufgenommen und die Kreißsäle besichtigt und mich für den Notfall dort angemeldet. Hinter dieser geplanten Hausgeburt standen nicht nur mein Mann, meine Hebamme und ich, nein wir hatten auch Freunde und Nachbarn, die ihre helfenden Hände anboten. Das verschaffte uns die nötige Sicherheit, die wir als werdendes Elternpaar benötigten.  Heute, drei Jahre später blicke ich auf eine schöne, aber völlig anders als geplante Geburt zurück. Was geblieben ist, ist eine Fotostrecke im Kopf, Bilder, die niemals mehr aus unseren Köpfen verschwinden werden: gemütlich Schnitzel zu Mittag essen mit unserer Hausgeburtshebamme, Wehen veratmen in der eigenen Badewanne, die Tropfen des Fruchtwassers wie sie sich durch das gesamte Schlafzimmer verteilten als die Fruchtblase platzte, das unaufhörliche Schreien unseres Sohnes nach der Geburt und seine dunklen Augen die mich in der gesamten Nacht in der er geboren wurde ansahen. All das vergisst eine Mutter niemals, deshalb ist es so wichtig, den Geburtsort zu wählen, der das absolute Highlight des Paares ist. Dies kann die Klinik sein, weil sie eine schöne Wanne und ein großes Bett bietet, kann das Geburtshaus sein, weil dort ein und die selbe Hebamme bis zum Schluß bleibt, kann aber auch das geliebte zuhause sein, in dem das Paar sich ohnehin pudelwohl fühlt.

Jede Klinik, jedes Geburtshaus, jedes zuhause ist anders – und so viele Kinder geboren werden, so viele unterschiedliche Wünsche in Sachen Geburt gibt es. Wichtig ist nur, dem Wunsch der in der werdenden Mutter steckt freien Lauf zu lassen, denn nur dann kann sie sich wohl fühlen, fühlt sich verstanden und gut aufgehoben und lässt sich fallen, was einer der wichtigsten Punkte für eine glückliche Geburt ist die positiv in Erinnerung bleiben soll.

Werdenden Müttern rate ich, sich ganz ausführlich alle möglichen Geburtsorte in ihrer Nähe anzusehen – genauso wichtig finde ich aber auch, einmal in sich hineinzusehen und nachzuspüren, wie diese Schwangerschaft ihr Ende finden soll.

Würde man das ungeborene Baby ganz klar nach seinen Wünschen bezüglich der Geburt und des Geburtsortes fragen würde es vielleicht folgendes antworten:

Ich möchte gerne voller Freude erwartet werden und schon während der Geburt diese Vorfreude spüren können, denn sie treibt mich an, macht mich stark für die Geburt und gibt mir das Gefühl bei Euch willkommen zu sein. Selbständige Wehen, die mich voran schubsen und mir sagen wo es lang geht sind mir sicher hilfreich. Ankommen möchte ich in Händen, die mich bei meiner Mama schnellstmöglich auf den Bauch legen, die mir zeigen, dass ich langsam ankommen darf, noch einige Minuten von meiner Nabelschnur versorgt werde und dass ich deinen Herzschlag und deine Stimme hören darf. Auf deinem Bauch möchte ich deshalb schnell landen, weil ich deine Brust riechen möchte und mich ein wenig von meiner langen Reise stärken möchte. Fragst du mich jetzt nach dem “richtigen” Geburtsort ist es mir ziemlich egal, ob ich in der Klinik, im Geburtshaus oder zuhause geboren werde, wichtig ist mir nur Mama´s Wärme und Nähe – und das ohne Unterbrechung”

Ich bin mir sicher so, oder so ähnlich hätten all unsere Kinder gesprochen, wenn wir sie schon  im Mutterleib nach ihren Wünschen und Vorstellungen fragen hätten können. Doch das können wir nicht! Denn es ist die Aufgabe der Eltern für eine wohlige, warme und ruhige Atmosphäre zu sorgen in der sie sich wohl fühlen können und ganz bei ihrem Baby sein können. Deshalb gibt es auch keinen “perfekten” Geburtsort. Sowohl gibt es aber heutzutage eine große Auswahl in unserer unmittelbaren Umgebung, die wir nutzen können um diesem Bauchgefühl auf die Schliche zu kommen und mehr Stärke zu verleihen:

Geburtsvorbereitungskurse, Informationsabende, Yoga, Gespräche und Betreuung durch Arzt und Hebamme, Unterhaltungen mit Freunden und Informationen aus dem Internet – noch nie war die Auswahl so groß wie heute! Doch all das bringt uns nur Information, es nimmt uns das genaue hinspüren nicht ab!

Wenn Sie gerade ein Baby erwarten, rate ich Ihnen immer wieder hinzuspüren und nachzuspüren, ob diese Besichtigung der Klinik, das Gespräch mit der Hebamme oder der Vorbereitungskurs ihr Bauchgefühl stärkt oder eher schwächt.

Wer im Laufe der Schwangerschaft lernt diesem Gefühl zu folgen, tut sich auch als Mama um einiges leichter und hat ein ganz gewisses Einfühlungsvermögen gegenüber dem Baby und seinen Bedürfnissen.

Ob in der Klinik, im Geburtshaus oder zuhause – gebären in Geborgenheit bekommt unter diesem Aspekt sicher für viele werdende Eltern eine ganz andere Bedeutung. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und folgen Sie Ihrem Weg!

Von: Sonja Stadler

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