Stillen mit Hindernissen

Manuel Bendig / pixelio.de

Die Geburt war geschafft. Es war ein Sonntag im Juni 2010 14 Uhr. Ich lag im Zimmer 5 und mein Sohn im Bettchen neben mir, friedlich schlummernd. Ich konnte mich nicht an ihm satt sehen. Nun werde ich mich die nächsten 3 Tage von den Strapazen der schweren Geburt erholen können, dachte ich mir.

Meine Zimmernachbarin hatte leider großen Mitteilungsbedarf und klärte mich die folgenden Stunden über ihre Familienverhältnisse auf. Mein Sohn schlummerte und ich konnte mich keine Minute erholen.

Es dämmerte und im Fernseher lief ein WM Spiel der Deutschen. Das nächste Gesprächsthema war dann wie überraschend – Fußball!

Ich bin irgendwann eingeschlafen und wurde durch die Schreie meines Sohnes geweckt.

Er wollte nun das erste Mal an meine Brust. Die Nachtschwester hat gleich reagiert und kam auf mich zu. Sie legte mir meinen Sohn in meine Arme und zeigte mir wie ich ihn halten soll. Es war ein ergreifender und schöner Moment. Ich genoss es obwohl es schmerzte. Ich ließ meine Gedanken schweifen und dachte an die vielbeschriebene „Harmonische Stillbeziehung“.

Natürlich hab ich mich im Vorfeld informiert und schön brav „Die Hebammen-Sprechstunde“ von Ingeborg Stadelmann gelesen. Ein meiner Meinung nach tolles Buch das mir viel geholfen hat.

Mein Sohn war nun wieder zufrieden und ich kam zu meinem lange ersehnten Schlaf.

Am nächsten Morgen – Schichtwechsel der Krankenschwestern. Das nächste Anlegen meines Sohnes war alles andere als harmonisch. Die Schwester zerrte an mir herum. Es musste unbedingt die Fußballerstellung sein. Ich lag total unbequem, mein Sohn brüllte aus voller Kehle, er konnte mit der entstandenen Hektik nicht umgehen. Ich war fix und fertig mit meinen Nerven, es war eine Tortur für uns beide. Die Hebamme quetschte an meiner Brust und versuchte Milch heraus zu drücken und stopfte die Brust in den Mund meines Sohnes. Dann ließ Sie uns alleine und meinte wir sollten es selbst probieren. Ich war erleichtert und hörte auf meinen Bauch. Ich nahm meinen Sohn im Sitzen auf den Arm und legte ihn noch mal an. Er gab sich zufrieden und schlummerte wieder ein.

Ich hatte Panik vor dem nächsten Stillen. Innerlich war ich total durcheinander. Die nächste Stillposition war das Stillen im Liegen. Ich war erleichtert. Alles hat gut geklappt und es gab keine Hektik die dabei aufkam. Am späten Abend die nächste Schwester. Jetzt war wieder die Fußballerstellung dran. Bitte mal zeigen ob Sie es alleine hinbekommen. Ich brachte mich wieder in die für mich und meinen Sohn sehr unangenehme Position. Die Krankenschwester schüttelte den Kopf und zeigte mir eine ganz andere Variante der Fußballerstellung. Aha, anscheinend gibt es auch noch verschiedene Auslegungen der Stillpositionen. In diesem Moment viel bei mir der Groschen und ich besinne mich auf die oft gelesenen Zeilen: „ glaube an dich und dein Bauchgefühl, vertraue auf diene Fähigkeiten, du kannst dein Kind ernähren und nur du weißt was für euch beide gut ist.“

Es war Dienstag-Morgen. Von nun an ließ ich mich nicht mehr verrückt machen. Auch nicht als ich von der Kinderschwester nach dem 1. Baden meines Sohnes hören musste, dass ich mit meiner kleinen Brust meinen Sohn nie voll ernähren könnte. Ich würde ihn nie satt bekommen und kann mich sofort darauf einstellen zu Füttern zu müssen. Ich kann es natürlich noch einen Tag probieren, aber wenn mein Sohn morgen nicht zunimmt müssten Sie ihm eine Flasche geben. Ich wusste dass es für mich nicht in Frage kommen würde, da ich bereits vorher gelesen hatte dass der Milcheinschuss sich ein paar Tage Zeit lassen kann. Ich blieb gelassen und zog eisern das „Schwestern wissen alles besser und Hebammen haben doch eigentlich keine Ahnung in den Augen mancher Schwestern“ Programm durch. Wenn ich gefragt wurde in welcher Position ich gerade gestillt wurde, schwindelte ich manchmal und sagte in der Fußballerstellung.

Am nächsten Morgen wurde meine Brust prall, ich strahlte übers ganze Gesicht – der Milcheinschuss war da. Mein Sohn hatte an diesem Morgen 100 Gramm zugenommen und wog nun 4130g – Geburtsgewicht waren 4380g. Als die Schwestern mich verrückt machen wollten hatte er 4030g.

Bei der Abschlussuntersuchung des Kinderarztes hab ich dann von ihm noch erklärt bekommen das es nur wichtig ist das ein Baby nach ca. 14 Tagen das Geburtsgewicht wieder erreicht und die Gewichtsabnahme total normal ist. Also wieder eine neue Erkenntnis und die Panik mache der Schwestern war nicht gerechtfertigt.

Wir wurden entlassen und ich fühlte mich befreit. Nun kann ich mich voll aufs Muttersein konzentrieren und meinem natürlichen Instinkten folgen. Ich habe Zuhause keine Bettnachbarin die mir ein Ohr labert, keinen Fernseher der ununterbrochen läuft und keine Schwestern die unbedingt eine Flasche geben will. Wir waren nun in unserer Rolle Mama und Sohn angekommen.

Es folgte eine noch immer währende Stillbeziehung die nicht immer harmonisch war. Ich habe meinen Sohn 8 Monate ausschließlich von Muttermilch ernährt (Hintergründe folgen im nächsten Bericht) und wir haben nie mehr in der Fußballerstellung gestillt und trotzdessen keinen Milchstau, Milcharmut noch eine Brustentzündung durchmachen müssen.

Habt Mut und vertraut auf eure Fähigkeiten.

Liebe Grüße an alle Stillmamis.

Elke Gerstner

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