Gentechnik in Babymilchprodukten!

Greenpeace kennzeichnet Babymilchprodukte in Drogeriemärkten mit roten Aufklebern

Von Wolfgang Görl

Es ist eine Aktion, die unter ganz widrigen Umständen auf dem Polizeirevier enden könnte: Vier Aktivisten der Münchner Greenpeace-Gruppe schlendern am Samstagvormittag durch den Drogeriemarkt Müller im Tal, vor dem Regal für Kindernahrung sammeln sie sich. Einer der Greenpeace-Leute lässt die Filialleiterin holen und überreicht ihr ein Flugblatt. Die drei anderen ziehen ihre Anoraks aus, unter denen die leuchtend grüne Weste mit der Aufschrift “Greenpeace” zum Vorschein kommt. Sofort machen sie sich daran, Babymilchnahrung der Firmen Nestlé und Milupa mit einem roten Aufkleber zu versehen. Darauf ist zu lesen: “Umweltgefahr: Für dieses Produkt bekommen Milchkühe Gentechnik-Futter.” Währenddessen spricht der vierte Aktivist mit der Filialleiterin über den Einsatz von Gentechnik bei der Babymilchproduktion, die Frau äußert Verständnis, bittet aber, sich in dieser Sache an die Konzernzentrale zu wenden. Mit dem Verständnis ist es vorbei, als sie merkt, dass auf den Produkten Aufkleber prangen. “Das ist Sachbeschädigung”, ruft sie und weist dem Greenpeace-Quartett die Tür. Mitarbeiter entfernen umgehend die Aufkleber.

In insgesamt 39 deutschen Städten hat Greenpeace am Wochenende mit solchen Aktionen gegen Nestlé und den MilupaHersteller Danone demonstriert. “Durch die fehlende Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die mit Gen-Pflanzen erzeugt wurden, ist vielen Verbrauchern nicht bewusst, dass sie mit Nestlé- und Danone-Produkten Gen-Milch kaufen”, sagt Klaus Müller von Greenpeace München. Der Umwelt-Organisation zufolge wird ein Großteil der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen zu Tierfutter verarbeitet. Auf diese Weise gelangten Gen-Pflanzen in den Futtertrog von Kühen, deren Milch zur Produktion von Baby- und Kindernahrung verwendet werde. Zwar seien nach bisherigen Erkenntnissen keine gesundheitlichen Konsequenzen für die Kinder zu erwarten, aber, so Klaus Müller, “der Anbau von genmanipulierten Futterpflanzen gefährdet die Artenvielfalt und erhöht den Pestizid-Einsatz in der Landwirtschaft”. Um die Verbraucher zum Kauf gentechnikfreier Ware zu bewegen, hat Greenpeace den Ratgeber “Milch für Kinder” erstellt, der am Samstag auf dem Marienplatz verteilt wurde.

Von der Aktion im Tal haben nur wenige Kunden etwas gemerkt. Zu schnell waren die Greenpeace-Aktivisten wieder draußen. Also ging man zum Rewe-Markt in den Fünf Höfen, der ebenfalls Produkte der fraglichen Firmen führt. Dort gelang es den Gentechnik-Gegnern, sämtliche Babymilch-Packungen mit Aufklebern zu kennzeichnen. Dann trat der Filialleiter auf den Plan, und die vier räumten ohne Aufhebens das Feld.

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