Ferbern – Quälerei mit Zeitplan

Ein Baby wird ca.  neun Monate herum getragen. Es hört Mamas Stimme, die Geräusche ihres Körpers und das schlagende Herz. Es ist überall dabei und nimmt an allem Teil. Es merkt wenn Mama sich aufregt, wenn sie sich freut oder Traurig ist. Es muss nie Hunger leiden und muss nie weinen – da es nie alleine ist. Dann kommt es auf diese Welt;sie ist kalt, hell und laut. plötzliche gibt es tausend verschiedene Gesichter und Eindrücke, Geräusche die man vorher nur dumpf vernommen hat scheinen jetzt sehr laut. Ein kleines Baby ist noch komplett auf einen angewiesen. Es kann nicht alleine Essen, nicht auf die Toilette gehen, es kann nicht sagen was ihm fehlt. Es kann nicht weglaufen wenn es etwas erschreckt.

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Aber es soll alleine schlafen können?  In einem Raum der so riesig und dunkel ist, es keine Begrenzung gibt? Keinen Herzschlag, keine Wärme und keine Stimmen. Einfach nur Stille!

Aus der Sicht eines Babys

Ich war noch garnicht richtig müde,  da hast mich auf einmal hochgenommen und meintest zu mir ich müsse jetzt schlafen lernen. Dann hast du mich in mein Bett gelegt, die Spieluhr angemacht und mir noch einmal über die Wange gestreichelt. Dann bist du rausgegangen. Vorher hast du noch ein Schlummerlicht in die Steckdose gesteckt, ich solle ja keine Angst im Dunkeln haben. Hast du vergessen das ich überall Angst bekomme wo du längere Zeit nicht bist, Mama? Ich kenne doch nur dich. Das erste was meine Ohren auf dieser Welt hörten waren dein Herz und deine Stimme. Eine Weile liege ich so und beschäftige mich mit mir selbst. Ich weiß ja das du sonst auch immer kommst wenn ich weine. Bald wird es mir aber zu Dunkel und Still, ich fange an mich zu fürchten. Ich vermisse deine Nähe, also wimmer ich ein wenig – du wirst sicher gleich kommen. Ich horche in das Dunkel hinein, doch ich höre keine Schritte. Vielleicht hast du mich einfach nicht gehört? Also Jammer ich lauter. Ich wundere mich, und bekomme noch viel mehr Angst, eigentlich müsstest du doch längst da sein?  Ich höre dich und Papa nebenan. Wieso kann keiner kommen? Ich fange an zu Schreien und die Zeit kommt mir so ewig lang vor. Mein Hals tut weh, meine Augen brennen und ich krieg kaum noch Luft. Und Niemand kommt. Hab ich dich verärgert? Brauchst du mich nicht mehr, hast du mich nicht mehr gern? Hörst Du mich nicht? Ich Schreie immer angestrengter, Niemand kommt. Ich strampel mit meinen Ärmchen und Beinchen und muss bald ruckartig Luft holen damit ich weinen kann. Ihr nennt das Schluchzen. Niemand kommt. Ich starre in die Dunkelheit, ich fange an heute Nacht etwas zu begreifen : Der Pool meiner Geborgenheit und meiner Sicherheit den ich für unanfechtbar hielt, ist angreifbar und wackelig. Ich habe dir gesagt das ich dich brauche, du hast nicht reagiert. Vielleicht hilfst du mir jetzt in Alltagssituationen in denen ich Angst hab auch nicht mehr? Ich glaube es fast. Ich schreie noch einmal, vielleicht hast du mich wirklich nicht gehört, Niemand kommt. Anstatt deine warme Brust und deine beruhigende Nähe zu spüren, sehe ich nur die kalte Bettdecke, und rieche Laken anstatt warme Haut. Ich schlafe schlecht ein und habe Alpträume vom Verlassensein. Wenn ich aufwache bist du noch immer nicht zurück, du hast nur ab und an mal reingeschaut. Das erste Mal als die Tür aufging freute ich mich riesig – endlich hast du mich gehört! ! ! Doch du sagtest nur etwas von “keine Angst mein Schatz” und bist wieder hinaus gegangen. Ich habe hinter dir her geschriehen, und mich dann so unfähig gefühlt dir offensichtlich nicht sagen zu können das ich alleine bin, als du nicht zurück gekommen bist.

Aus meiner Sicht

Aus meiner Sicht ist Ferbern Kinderquälerei. Sie sollen auf einmal schlafen können – obwohl Babys sonst ständig auf uns angewiesen sind? ! Frauen die bewusst Ferbern, verleugnen meiner Meinung nach ihre Intuition. Ich bin selbst als Kind geferbert worden, ich leide heute noch unter massiven Schlafstörungen und Angstzuständen im Dunkeln – dabei bin ich 22 !  Ich konnte nur ein sehr gestörtes Vertrauensverhältnis aufbauen.

Nach der Geburt unseres Sohnes war mir sofort klar, das ich ihm das nie antun wollte. Mir ging einfach nicht auf warum Babys auf einmal schlafen MÜSSEN. Erwachsene könnten sich wohl kaum wach ins Bett legen, und versuchen zu schlafen. Sie stünden entnervt wieder auf und würden ins Wohnzimmer gehen. Babys können das nicht! Der Kleine ist heute 4 Monate alt, und noch in der Klinik schlief er in meinem Bett. Meine Geburt war sehr traumatisch, und ich brauchte seine Nähe einfach um selbst darüber hinweg zu kommen. Er schläft bei uns im Bett und ich genieße seine Nähe, seinen Geruch und seinen Anblick. Er seufzt zufrieden und kuschelt sich an mich ran, was kann es besseres geben. . ? Ferbern ist nicht nur Stress für das Kind, sondern auch stress für die Eltern. Frauen hören nicht mehr auf ihre “Mama Stimme” die Ihnen sagt :  “Dein Kind braucht dich! Es weint und ist verzweifelt, geh hin und beruhige es! “Sondern sie bleibt auf dem Sofa sitzen, und meist weinen Kind UND Mutter. Kann es ein friedvoller Weg sein, wenn soviele Tränen damit verbunden sind? Ständig hörte ich in meinem Umfeld :  “du verwöhnst Ihn, er kommt nie aus Eurem Bett raus”.

Es gab eine wirklich anstrengende (Einschlaf-) Zeit,  in der der Kleine viel jammerte und nicht schlafen wollte ohne Brust oder Spieluhr bzw Kuscheln. Ich fühlte mich einen Abend total fertig und übersättigt von der Nähe meines Kindes, das Ich ihn gefrustet in unser Bett legte und in´s Wohnzimmer ging. Erst war er ruhig, dann jedoch fing das Schreien an. Ich saß auf der Couch und war einfach nur fertig. Er schrie und schrie, und auf einmal gab es wie einen Ruck durch mich. Mir tat es weh wenn er so brüllte! Ich lief rüber, nahm ihn aus dem Bett und drückte ihn einfach nur an mich. Und dann weinten wir beide. Er hatte insgesamt vielleicht 4 Minuten geschrien, so beruhigte er sich auch schnell wieder. Aber mir war sofort klar das ich das nie machen wollte, mein Kind schreien lassen! Und ich rede nicht davon das man mal kurz auf Toilette ist, oder den Müll rausbringt und das Kind fängt an zu weinen. Das passiert immer Mal. Sondern ich rede von wirklichen Schreienlassen. Es gibt soviele Wege ein Kind friedlich ruhig zu bekommen. Das Tragetuch, den Pezziball, Stillen, Kuscheln, Tragen und auf dem Bauch einschlafen. Und mir wird wirklich ganz anders wenn ich von Erwachsenen Menschen Büchern lesen muss, wo sie doch allen ernstes der Meinung sind, so kleine Wesen kämen alleine zurecht. Und das bei so etwas wichtigen wie dem Schlafen! Das ist aus meiner Sicht geistige Armut.

An die Mamas

Es wird vorbei gehen. Halte durch! Auch wenn dein Baby schreit und schreit und schreit, und du denkst du kannst nicht mehr. Es wird eine andere Zeit kommen, Babys verändern sich schnell. Aber wenn du einmal das Vertrauen deines Kindes vollkommen zerstört hast, wirst du es so schnell nicht zurück bekommen. Es wird von Dauer sein. Dein Baby wird misstrauisch und ängstlich. Du bist der allerwichtigste Mensch in seinem Leben. Und wenn dieser Mensch keine Sicherheit mehr bietet, hat man auch kein Vertrauen mehr in das Leben welches noch so fremd erscheint.

Geschrieben von:  M. Herrmann (yakeela@web. de)

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2 thoughts on “Ferbern – Quälerei mit Zeitplan

  1. Hallo, ich habe mich heute noch mit einem Freund übers ferbern unterhalten.
    er ist kinderlos und mein sohn ist 1 jahr alt.
    mein kleiner hatte heute extreme schwierigkeiten beim einschlafen und ich war wirklich KO. Irgendwann hatten wir es geschafft und ich wollte meinen einschlaffrust nur einmal los werden.
    da kam der satz: du machst ihn emotional abhäning von dir und du springst sofort.
    als ich fragte was er denn für eine lösung hätte: ja lass ihn halt schreien.

    ich muss sagen ich finde es schrecklich das wirklich meist kinderlose männer diese sinnlosen tipps geben.

    und da die dann soo überzeugt davon sind, kann man nur hoffen das die frau die irgendwann ein kind von denen bekommt etwas im kopf hat und anders denkt.

    dieses thema schreien lassen ist viel zu present und verbreitet.
    ich finde es grausam
    ich gewöhne meinen kleinen grade an sein bett. und wo liegt er nach den problemen grade??? richtig in meinem bett.

    ich überlege die ganze zeit, wie man das thema mal verbannen kann, das keiner mehr auf die idee kommt das anzuwenden 🙁

    ein toller text aus sicht des babies, sehr berührend konnt mich sehr gut reinfühlen 🙂

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