24.10.2010 – 8 Tage noch bis zum Termin…

… aber das wollte Bastian dann doch nicht mehr abwarten.
Lasst mich mit dem 23.10. beginnen. Wir waren noch in Heilbronn einkaufen, da wir noch einige Dekoartikeln zum verschönern unserer neuen Küche brauchten. Ich habe noch zu Oliver gesagt, dass das viele Rumlaufen die Wehen sicher auch noch verstärken könnte, die ich zu dem Zeitpunkt ja schon hatte. Aber eben nicht kräftig genug. Nun, ich sollte recht behalten.

Abends vor dem Fernseher habe ich schon bemerkt, dass mit einer zunehmenden Wehenstärke auch die Frequenz kürzer wurde und ich mich einige Male auch schon mehr auf das Atmen konzentrieren musste, wenn die Wehe da war.
Stundenlang hatte ich regelmäßig Wehen im Abstand von ca. 5 Minuten mit einer Dauer von ca. 40-60 Sekunden. Die waren schon kräftiger, als alle bis jetzt da gewesenen, aber noch sehr gut zu ertragen und zu veratmen. Also alles kein Problem, ins KH fahren war noch keine Option. Ich wollte es wirklich vermeiden stundenlang im KH zu hocken, oder durch leere Gänge zu marschieren, bloß weil ich zu früh Alarm geschlagen hatte.

Gegen 3 Uhr am Morgen verkürzte sich der Abstand dann aber plötzlich auf 2 Minuten und ich weckte Oliver. Die Wehen selbst hatten zwar an Stärke und Dauer nicht zugenommen, aber da die Abstände dann doch schon so kurz waren, bat ich ihn mit mir los zu fahren.
Im Krankenhaus angekommen empfing uns vor dem Kreissaal schon die Hebamme und ließ erst mal ein CTG schreiben.
Natürlich, wie sollte es auch anders sein, wurde der Abstand der Wehen dann wieder größer. Der Muttermund war erst bei ca. 4cm. Bedeutete also für uns: Rumlaufen und schauen, dass die Wehen wieder stärker und regelmäßiger kommen.
Also liefen wir erst mal eine Stunde im Krankenhaus herum. Man glaubt gar nicht, wie langweilig es nachts in Krankenhausgängen sein kann.
Nach der Stunde wieder zurück in den Kreissaal – CTG. Diesmal sah es schon ein wenig besser aus. Es war jetzt ca. halb 8. Die Hebamme meinte ich sollte mich einfach mal ein wenig in die Wanne legen, das könnte auch noch helfen.
Gesagt, getan – und es tat mir gut. Ich konnte einerseits tatsächlich noch ein wenig entspannen und andererseits kurbelte das warme Wasser auch tatsächlich ein wenig die Wehen an.
Nach ca. 20 Minuten in der Wanne übersiedelten wir dann in den großen Kreissaal mit der Gebärwanne. Ich wollte es gerne mit einer Wassergeburt versuchen. Damals, bei Simons Geburt, hatte ich das schon vor, da machte mir aber der Kreislauf einen Strich durch die Rechnung und ich musste kurz vor der Geburt aus der Wanne raus.
Im großen Kreissaal angekommen habe ich dann erst mal zwischen den Wehen eine Kleinigkeit gegessen. Erstens hatte ich Hunger, zweitens wusste ich ja nicht, wie lange das noch dauern würde. Die Wehen waren immer noch sehr gut zu veratmen und die Schmerzen wirklich erträglich.
Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich etwas gegen die Schmerzen möchte. Das sei gar kein Thema und ich würde sofort etwas haben können.
Wollte ich aber nicht. Ich wollte einfach klar sein bei der Geburt und alles so erleben, wie es einfach ist. Für viele vielleicht unverständlich, aber ich hatte das für mich so beschlossen. So war es auch schon bei der Geburt von Simon.
8:30 Uhr: die Hebamme meint, dass sie bei der nächsten Muttermundkontrolle eventuell die Blase aufstechen möchte, damit wieder
mal etwas weitergeht und das ganze ein bisserl Dynamik entwickelt. Soll mir nur recht sein, dann geht endlich was weiter.
Oliver nutzt die Gelegenheit und geht mal raus auf die Terasse, ein wenig frische Luft schnappen.
Als er gegen 8:45 Uhr zurück kommt ist die Hebamme gerade dabei meinen Muttermund zu untersuchen. Genau in dem Moment geht die Fruchtblase von ganz alleine auf und ich spüre literweise das Wasser an mir herunterlaufen. Ich hatte extrem viel Fruchtwasser, das wusste ich schon, aber so viel? Ich habe den halben Kreissaal überschwemmt.
Plötzlich war der Druck weg vom Bauch, die Kugel nicht mehr so prall. Ich lag seitlich auf dem Bett und von nun an kann ich mich nur noch bruchstückhaft an die nächste knappe Stunde erinnnern.
Irgendwann, als Oliver draussen war, muss die Hebamme die Gebärwanne mit Wasser gefüllt haben, denn sie meinte nun, dass ich – wenn ich wollte – nun in die Wanne konnte.
Und da kamen sie dann auch schon.
Ganz plötzlich und mit einer Vehemenz mit der ich nicht gerechnet hatte. Wehen, die plötzlich anrollten, wie ein LKW in voller Fahrt. Unaufhaltbar… der Spaziergang war vorbei. Jetzt kam die Arbeit.
Ich musste 3 oder 4 dieser Wehen im Liegen über mich rollen lassen, bis ich soweit war aufzustehen und mich in die Wanne zu setzten.
Ich erinnere mich, dass die Hebamme (Julia) meinte, dass das Wasser wohl etwas kühl geworden wäre, sie könnte aber frisches, warmes Wasser einlassen.
Nein – braucht sie nicht. Mir war die Wassertemperatur gerade sowas von egal… ich spürte nur die nächste Wehe anrollen, hörte mich selber, wie ich immer lauter wurde, beim Veratmen.
Das ist jetzt alles recht schwierig zu erzählen, da meine Erinnerung nur aus wenigen, einzelnen Momentaufnahmen besteht. Vielleicht schreibt ja Oliver noch aus seiner Sicht über diese Zeit ab dem Blasensprung?
Irgendwann ist Oliver dann kurz raus, da plötzlich Blut im Wasser war. Julia kam und meinte, dass das ein gutes Zeichen ist. Der Muttermund sei wohl eröffnet, ob ich denn schon Pressdrang hatte? Hallo? Den hatte ich schon lange, aber ich durfte ja nicht, also habe ich geatmet, geatmet, geatmet… bloß nicht pressen, wenn er noch nicht so weit ist.
Sie wolle das noch mal überprüfen. Ich musste also meine Stellung ändern. Bis jetzt hin ich vornüber über den Beckenrand und hatte mich an Oliver festgeklammert. Jetzt saß ich in der Wanne, die Beine vorne gegen die Wand gestemmt, während Julia mich untersuche und meinte, dass jetzt Zeit wäre mitzuschieben, wenn ich denn das Bedürfnis hätte!
Ja, endlich, raus damit…. ich glaube, es waren 2 Presswehen und ich spürte wie der Kopf langsam aus dem Becken rutschte… “und stop… nicht mehr pressen… atme hin, aber nicht pressen!”… oh Mann, beinahe unmöglich, nein – unmöglich, aber ich wollte nicht, dass etwas reisst, also musste ich da durch.
Dann war der Kopf geboren. Kurzfristige Erleichterung. So, bei der nächsten noch einmal kräftig schieben und dann ist es bald geschafft.
Dann weiß ich nur mehr, dass ich bei der nächsten Wehe all meine Kraft zusammengesucht habe.
Denn mit dieser einen Wehe war er dann auch schon geboren. Julia musste Bastian regelrecht aus dem Wasser fischen, denn er kam mit einer riesen Wucht aus mir geschossen.
Da lag er auch schon auf meiner Brust. Ganz klein, verschrumpelt, mit Käseschmiere überzogen und bläulich schimmernd.
Ich hörte alle reden, ich kann aber heute nicht mehr sagen, was. Da waren Menschen, die ich dem Moment nicht mehr wahrgenommen habe.
Was ich noch weiß ist, dass Oliver, der die ganze Zeit hinter mir saß, da war und den Kleinen streichelte.
Irgendwann hat er wohl auch die Nabelschnur durchgeschnitten, aber da war ich voll und ganz auf Bastian konzentriert. Alles rundherum verschwamm zu einem Einheitsbrei aus Stimmen und ich war nur bei meinem Sohn.
Ich weiß nicht, wie lange ich so in der Wanne lag, aber irgendwann meinte Julia, dass ich raus müsste, rüber aufs Bett. Die Ärztin müsste nach Geburtsverletzungen schauen und die Nachgeburt sollte auch bald kommen.
Der Kleine wurde in warme Tücher gewickelt, ich stand auf, stieg aus der Wanne und lag plötzlich auf dem Bett. Die Ärztin stand am Wickeltisch mit Bastian vor sich und hielt ihm Sauerstoff vor Nase und Mund.
Ich hörte mich fragen, ob alles OK sei. Jaja, kein Grund zur Sorge, aber da war wohl ein Nabelschnurknoten und er hätte noch Fruchtwasser in der Lunge, aber ich solle mich nicht sorgen.
Die nächsten Dinge, die ich noch weiß sind, dass mir unglaublich kalt war. Ich zitterte am ganzen Körper. Dann, ein wenig späer, die Nachgeburt. Julia zeigt mir die Plazenta, entnimmt Nabelschnurblut, zeigt mir den Knoten in der Nabelschnur und meint, dass ich da echt Glück gehabt hätte, da es bei solchen Dingen meist zu Komplikationen im Geburtsverlauf käme.
Ich habe noch immer kein Gefühl für die Zeit, die verstreicht, aber endlich habe ich Bastian wieder bei mir. Er liegt auf meiner Brust und wir können uns beschnuppern. Nach einiger Zeit beginnt er auch nach der Brust zu suchen.
Er findet sie alleine und beginnt zu saugen.
Die Ärztin untersucht mich nach Geburtsverletzungen und ist erstaunt, dass es da nichts gibt, was sie nähen müsste.
Wir bleiben noch bis zu Mittag im Kreissaal und haben Zeit uns in aller Ruhe kennen zu lernen. Ich stehe auf, teste meinen Kreislauf.
Dann erst realisiere ich, wie schnell es eigentlich vom Blasensprung bis zur Geburt hin ging. Das waren keine 45 Minuten!
Aktiv erinnern kann ich mich aber, glaube ich, nur an 10-15 Minuten davon.
Ich weiß nicht, ob alles was ich da jetzt notiert habe auch wirklich genau in dieser Reihenfolge passiert ist, aber vielleicht erzählt euch Oliver ja noch, wie es für ihn war?

Vielen Dank liebe Ramona für diesen tollen Geburtsbericht!!!!!

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