Frühstücksbaby mit Glückshaube!

Der Vortag(39+6): Nachdem ich beim Arzt war, der mir jegliche Hoffnung genommen hat, dass sich bald was tut sind wir abends mit unserem großen Sohn eine riesige Runde spazieren gegangen. Ich habe mal nicht unbedingt an Geburtsbestrebungen gedacht, sondern nur genossen. Es war ein schöner Augusttag, leicht regnerisch, ein frischer schöner sanfter Wind. Zu Hause bin ich dann wie so oft mit einem Himbeerblättertee in die Wanne gestiegen. Kurz vor Mitternacht ging ich ins Bett um noch etwas zu lesen und keine 10 min. später steht der Große (3Jahre) neben mir und will zu mir ins Bett (zu mir!!!! – sowas gibts sonst nie, sonst krabbelte er immer direkt zum Papa). Er kuschelt sich an mich… echt verdächtig…. er muss es gerochen haben.

Freitag morgen (40+0) um 4.50 Uhr: Ich werde wach, irgendwas nasses ist zwischen meinen Beinen, aber nur ganz wenig. Ich frage mich ob ich eingepieselt hab. Eher nicht. Schon im nächsten Moment der 1. Gedanke „ohhh Fruchtblase“. 2. Gedanke: „es geht looooos, juhuuuu“ und 3. Gedanke: „mist, die Maratze und die Bettdecke“… also hab ich mich erstmal neben das Bett gestellt und da lief es auch – nicht gleichmäßig oder viel, sondern immer so, als ob jemand mit einer Spritze immer ein bisschen was herausspritzt, angenehm warm. 😉

Ich hab meinem Mann gesagt, dass mir die Fruchtblase geplatzt ist. Frage seinerseits ob er noch einen Moment schlafen könne…??? Natürlich nicht! Ich muss wegen der B-Streptokokken eigentlich recht schnell ins Krankenhaus. Er also aufgestanden, mir zwei Handtücher gereicht und so hab ich mich erstmal wieder hingelegt und erst meine Eltern angerufen. Bloß gut, dass meine Mama eh immer so gegen 5 aufsteht und auf Arbeit fährt. Sie kommt also, vorbei. (noch 40 km) Danach habe ich im Kreißsaal angerufen, ob ich noch ca. eine halbe Stunde Zeit hab, da wir ja noch ein Kind haben. „Klar“… Also versuchte ich mich etwas zu entspannen während mein Mann sich Brote schmierte („man weiß ja nie wie lange es dauert“, war seine Aussage).
Und zack… dann ging es kurz nach 5 Uhr los, Wehen alle 3 Minuten. Leicht überfordert war ich ja schon, hab gezittert, war aber auch total voller Vorfreude. Endlich kommt unser zweites Baby. Der Große lag schlafend neben mir. An den hab ich mich rangekuschelt und seine Hand gehalten. So leicht musste ich die Wehen dann doch veratmet (nein, ich hab ihm nicht weh getan) 😉

Etwas Angst machte mir, dass ich den Kleinen im Bauch absolut nicht gespürt habe, keine Bewegung, nichts. Ich wußte ja nun nicht wie fest der Kopf im Becken liegt. Am Vortag sagte der Arzt, er kann ihn noch etwas verschieben.

Kurz nach 5.30 Uhr kam meine Mama. Da wurde auch mein Großer wach. Es klappte alles prima, ich habe ihm erklärt, dass Mama und Papa nun ins Krankenhaus fahren und das Baby kommt und er mit der Oma mit auf Arbeit geht. Wie spannend!

Um 6 Uhr waren wir dann im Krankenhaus. Ich mit Handtuch zwischen den Beinen und wir beide noch zu Witzen aufgelegt. Vor der Tür begegnete uns eine Hebamme die auch gleich fragte, ob da etwa eine Fruchtblase geplatzt sei. Sie fuhr mit uns im Fahrstuhl bis nach oben.

Dort angekommen ging es direkt in den Kreisssaal. Eine Hebamme stellte sich uns vor und erzählte uns, dass sie mit ihrer Hebammenschülerin zusammen arbeitet, diese wäre suuuper – sie war in der Tat ein Segen! Fanny begann eben erst ihre Schicht für den Tag, also hatte ich die Hoffnung, dass wir in keinen Schichtwechsel kommen. Die Oberhebamme verabschiedete sich zu zwei Kaiserschnitten. „Ich kann sie ganz beruhigt in in ihre Hände geben!“

Dann erstmal CTG und die Entwarnung wegen der Nicht-Bewegungen: Er schläft! – Na der hat die Ruhe weg.

Die nächsten 1,5 h verliefen sehr ruhig. Ich veratmete die Wehen am Fenster mit Blick auf die Elbe. Mein Mann massierte mir den Rücken und wir sahen zu, wie Dresden langsam erwachte und es hell wurde. Das Fenster hatten wir offen und so kam auch immer ein schöner frischer Morgen-Wind. Der Muttermund öffnete sich in der Zeit von Anfangs 3 auf dann 8 cm. Mir wurde ein „Frühstücksbaby“ prophezeit. So richtig konnte ich es noch nicht glauben. Die Wehen waren nicht extrem schmerzhaft und dazwischen war es echt angenehm.

Wer uns kennt, weiß, dass wir wie immer voll Spaß hatten (also ich zumindest zwischen den Wehen) und selbst im Kreisssaal noch Witze machten.
Ich lief zwischen den Wehen immer wie es mir grad gefiel durch den Raum, kreiste und „tanzte“ vor mich hin. Irgendwie tat ich nur das, was mir mein Körper sagte. Kam eine Wehe flitzte ich zum Fenster, stützte mich leicht ab, bewegte das Becken, ging intuitiv leicht in die Knie und lies mich überm Po kneten.

7.45 Uhr kletterte ich für die Untersuchung mal wieder auf das Kreisssaalbett. Der Muttermund war bei 8 cm + leichter Saum. Die Wehen wurden auch schon etwas stärker. Da ich nun durch die Untersuchung eh auf dem Kreisssaalbett saß beschloss ich auch da zu bleiben. Das Rückenteil hat mir die Hebamme hochgefahren, so dass es in „L“ Position stand. Ich kniete mit dem Bauch zum Rückenteil und kreiste weiter vor mich hin. Die Hebamme sagte, sie würde um 8 Uhr noch einmal nach dem Muttermund schauen. Also klammerte ich mich während der nächsten Wehen an die Matratze, mit Kopf im Kissen und nassem kalten Tuch auf dem Rücken (Die Hebamme meinte, sie hätte das noch nie erlebt, ich fands super angenehm).
Aus meinem Wehen veratmen (ich bin keine die rumbrüllt) wurden dann so langsam auch „aaaaaaahsssss“ – so gingen die Wehen super vorbei. Von meiner Hebamme wurde ich immer nur gelobt, dass ich das prima mache, so richtig viel habe ich von ihr gar nicht mitbekommen, sie stand wohl hinter mir.

Kurz nach 8 Uhr untersuchte sie wieder den Muttermund und sagte, dass der Saum weg ist. In dem Moment kam die Hebamme ins Zimmer, die wir bei der Ankunft getroffen hatten und half mir den Slip auszuziehen und sagte nur „Nu hau ihn raus!“.
Was? jetzt schon?
Von da an war nur noch ein wenig „aaaaahhhh“ und viel pressen angesagt.

Gefühlte drei Presswehen später kam der Kopf und ich schaute nach unten und sah nur Haaaaare! „Der hat ja Haare“, sagte ich (unser Großer war ein Glatzenbaby). Die Zeit bis zur nächsten Wehe streichelte ich mit einer Hand den Kopf und hielt mich mit der anderen an der Matratze fest. Ich war sowas von hin und weg – glitschig, warm und Haare und mein Baby!
Mein Baby und das auch noch mit Glückshaube!!!!
Während der Wehenpause merkte ich wie der Kleine sich leicht drehte, da sie ja nur so mit der Schulter richtig herauskommen.
Dann die nächste Wehe und er lag zwischen meinen Beinen. Die Nabelschnur lag einmal um den Hals. Die Hebamme nahm diese von ihm und noch bevor ich ihn hochnehmen konnte meldete er sich zu Wort. Das war 8.18 Uhr!

Was für eine Geburt.

Markus Barbey / pixelio.de

Nach kurzem kuscheln und allem bewundern schnitt mein Mann die Nabelschnur durch. Es wurde das Nabelschnurblut entnommen – wir haben uns ja für eine anonyme Nabelschnurblutspende entschieden. Nachdem die Hebammen das gemacht haben war auch die Plazenta dran die geboren wurde. Ein kurzes pressen, nichts schlimmes. Ich hab sie mir dann auch angesehen und erklären lassen. Das besondere: die Nabelschnur ging nicht wie üblich aus der Mitte der Plazenta hervor, sondern kam aus der Seite heraus – kommt wohl nicht so häufig vor. Die Hebammen lobten noch die schönen Eihäute 😉

Und dann hieß es zwei Stunden kuscheln, stillen und liebkosen. Erst dann wurde mein kleiner Schatz gewogen und gemessen (3470 g, 50 cm und Kopfumfang 36 cm – bis auf 80 g weniger genauso wie der Große). Nach weiteren zwei Stunden durften wir auch direkt nach Hause gehen, da alle Blutwerte in Ordnung waren.

Und was soll ich sagen: Im Vergleich zur ersten Geburt war es dieses mal wesentlich ruhiger, entspannter, nicht so husch husch zum Ende (grad was Kuscheln, Stillen, Nabelschnur und Plazenta anging) und tausendmal intensiver, da ich einfach nur gemacht habe was mein Körper mir sagte. Eine echte Traumgeburt eben.

One thought on “Frühstücksbaby mit Glückshaube!

  1. Liest sich echt schön!

    Eine so selbstbestimmte Geburt wünscht sich doch jede Frau, nur schade wenn es manchen durch Verunsicherungen von Ärzten und Hebammen genommen wird.

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