Simons spektakuläre Geburt

Am 16.01. bin ich morgens aufgewacht und fühlte mich irgendwie ruhig – hatte das komische Gefühl ‘auszulaufen’. Allerdings hatte ich das Gefühl schon einige Tage. Meine Habamme Katja meinte allerdings, wäre es die Fruchtblase, dann würde da ein richtiger Schwall kommen. Mein Schatz war über das Wochenende im Berliner Umland ein Seminar abhalten. Um 13 Uhr war ich mit meinen Eltern zum Museumsbesuch verabredet. Das alles war mir aber doch sehr komisch und ich hab beschlossen, dass wir vor dem Museumsbesuch noch kurz im Kreißsaal vorbeischauen – einfach nur um zu gucken was los ist, denn der Muttermund war ja schon seit gut einer Woche bei 2cm. Dort angekommen zeigte der Schnelltest, dass ich tröpfchenweise Fruchtwasser verlor – Muttermund allerdings unverändert. Ich wurde also losgeschickt und sollte zwei Stunden spazieren gehen und dann wieder im Kreißsaal aufschlagen. Wir waren dann noch schnell bei ToysRus und haben da ein bisschen Babyequipment eingekauft…

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Dann am Hauptbahnhof Treppensteigen und in der Apotheke dort den tollen Concealer von Dr. Hauschka gekauft…
Aus zwei Stunden habe ich einfach drei gemacht und zum Abschluss noch ein gutes Eis gegessen. Ich hab Zimteis (soll ja Wehenfördernd sein) gewählt und wollte mir so die volle Dröhnung geben – ich hatte keine Lust mehr zu warten, es sollte endlich losgehen. Ich war schließlich kurz vorm Platzen.

Nach dem Eis sind wir dann zum Auto gelaufen und auf einmal wurde es richtig nass unten. Ich dachte erst “Oh Gott ich hab mich bepullert” aber jetzt war wohl die Fruchtblase entgültig geplatzt! Also auf ins Krankenhaus! Ich habe meinen Freund angerufen und meinte “Schatz die Fruchtblase ist geplatzt, das Zimteis ist Schuld – bleib ganz ruhig, die Geburt dauert sicher noch! Wir fahren jetzt ins Krankenhaus”.

Naja wir waren ja echt nicht weit weg vom Krankenhaus. Mein Papa war so nervös, der ist erstmal verkehrtherum in eine Einbahnstraße gefahren.
Auf dem Weg in die Klinik rief mein Freund mich an und fragte, warum er unser Auto gerade gesehen hat und ob wir denn noch nicht im Krankenhaus sind und dass er schon dort wäre. Man der muss mit Lichtgeschwindigkeit gefahren sein, dass er uns eingeholt hat…
Im Kreißsaal bezog ich dann erstmal mein Vorwehenzimmer – meine Hebamme kam vorbei und wir beschlossen morgen Früh mit der Tablettengabe zum Einleiten zu beginngen, da ich noch keine effektiven Wehen hatte. Katja löste noch irgendwie den Eipol – das hat schweine wehgetan. Die Nacht hab ich relativ unruhig geschlafen – eine Einleitung konnte eine Ewigkeit dauern. Am nächsten Tag ging es also los, ich bekam die 1. Tablette und nichts tat sich… wieder nur Wehen, die ich nicht spürte. Ich rief alle an und sagte, dass es wohl noch einige Tage dauern würde. Vier Stunden später kam Katja mit ihrer Praktikantin Ria (9.Klasse) und gab mir die zweite Tablette. Dazu bekam ich nun eine wehenfördernde Akupunktur, die echt schmerzhaft war (in den Kleinen Zeh und die Hände… auaaaaa) und eine Massage mit Nelkenöl. Schlagartig setzten die Wehen ein und ich rief meinen Freund an, dass die Geburt jetzt losgeht.

Ich fühlte mich voll überrumpelt. Bald sollte er nun da sein. Katja versuchte noch den Muttermund zu dehnen… bei 3-4cm sind wir in den Geburtsraum umgezogen, wo ich erstmal in die Wanne gestiegen bin. Dort waren die Wehen echt erträglich. Nach zwei Stunden und Muttermund bei 6cm wurden die Wehen allerdings enorm schlimm und hatten KEINE Pause mehr!!! Das passiert wohl gelegentlich bei diesen Einleitungstabletten. Das war sehr schlecht, da sich unten allerdings wenig tat.
Katja hat dann beschlossen, dass ich einen Wehentropf bekommen sollte, damit es vorangeht…. und eine PDA sollte ich bekommen, da ich ihr sonst wohl den Kopf abgerissen hätte. Oh man ich kämpfe ordentlich mit den Wehen… probierte viele Positionen… nichts half.

Die PDA war unglaublich erlösend und hat überhaupt nicht wehgetan. Im Gegenteil, die Akupunktur im Zeh war wesentlich schlimmer. Die PDA hielt immer 2 Stunden, dann wurde nachgespritzt. Insgesamt wurde 3mal nachgelegt. Aber so eine PDA ist ein Traum – ich hatte wirklich keinerlei Schmerzen mehr. Sowas hätte ich wirklich gern für daheim.

So zogen sich die Stunden und Katja spielte die ganze Zeit am Wehentropf herum. Aber es tat sich nun endlich was. Irgendwann hieß es dann Pressen und ich presste und drückte was das Zeug hält.

Mogmama, mach das so wie beim großen Geschäft!”

Aber meine Kraft reichte nicht mehr. Simon steckte fest… und seine Herzkurve war schon die ganze Zeit nicht mehr besonders schön. Ich durfte mich schlussendlich entscheiden: Saugglocke oder Kaiserschnitt. Ich wählte die Saugglocke im Glauben, dass das besser für Simon wäre.

Es ging also los, die Assistenzärztin schmiss sich auf meinen gewaltigen Bauch und Simon wurde in drei Zügen nach 12 Stunden mithilfe der Saugglocke geboren.

Gewicht: 3340g

Länge: 49cm

Kopfumfang: 34cm

Danach wurde ich noch genäht. Simon hat nicht geschrien, sondern alles genau betrachtet. Der kleine Denker.

***

Nachtrag

Den letzten Teil des Berichts habe ich weit nach der Geburt geschrieben, weil ich vorher einfach nicht dazu kam. Es ist nämlich so, dass man viele Details, die Schmerzen und alles drum herum ziemlich schnell vergisst. Ich glaube das hat die Natur so angelegt, sonst würde wohl keine Frau ein weiteres Kind gebären wollen. Deshalb ist der letzte Teil meines Berichts nicht sehr detailiert, weil ich das meiste einfach vergessen habe.

Im Nachhinein hätte ich mich wohl für einen Kaiserschnitt entschieden, wenn ich vorher gewusst hätte, dass die Babys nicht nur seelisch traumatisiert werden, sondern auch körperliche Blessuren durch die Saugglocke davon tragen. Simon hat eine Einblutung im Halsmuskel und viele Blockaden, kann seinen Kopf schlecht zur rechten Seite drehen und findet seine Mitte nicht (KISS-Syndrom, Kopfnickerhämathom) – viele Termine beim Chiropraktiker, Osteopathen und Physiotherapeuten sind nötig, um das wieder hinzubiegen. Er hatte anfänglich auch starke Schmerzen. Ich denke einfach, dass das bei einem Kaiserschnitt nicht passiert wäre.

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