Die Do’s und Don’ts beim Stillen

Über die Muttermilch bekommt ein Säugling alles, was er an Nährstoffen braucht. Logisch, dass Frauen, die stillen, daher besonders auf eine gesunde Ernährung achten sollten. Doch was kann Babys Nahrung noch beeinflussen? Wie sieht es mit Sport, Medikamenten, Pflegemitteln aus?

Darf ich in der Stillzeit in die Sauna gehen?

saunaJa. Etwa vier Wochen nach der Geburt kannst du wieder in die Sauna. Du solltest jedoch auf deinen Körper hören. Wenn zum Beispiel der Kreislauf Probleme macht, lieber auf den Schwitzgang verzichten. Beruhigend: Die Hitze hat keine Auswirkung auf die Milch. Sie ist gut temperiert in der Brust verpackt und kann nicht zu heiß oder gar sauer werden! Allerdings: Durch die Wärme kann Milch aus der Brust austreten. Mit der flachen Hand auf die Brust drücken. Das stoppt den Milchfluss!
Und: Das Kind möglichst vor dem Saunabesuch stillen.

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Muss ich mit der Einnahme von Medikamenten vorsichtig sein?

Vorsicht ist geboten.
Trotzdem kommt man manchmal um ein Mittel nicht herum. Es gibt für fast alle Erkrankungen Medikamente, die ausreichend erprobt und in der Stillzeit einsetzbar sind. Deshalb: nachhaken, wenn der Arzt wegen eines Medikamentes zum Abstillen rät. Dann hast du höchstwahrscheinlich entweder ein nicht geeignetes Medikament anstelle eines geeigneten bekommen, oder das Medikament ist doch für Stillende akzeptabel! Denn oft sind Warnhinweise im Beipackzettel oder in der Roten Liste für Ärzte aufgeführt, obwohl in bestimmten Fällen eine Verordnung für Stillende möglich ist. Selbst mit speziellen Antibiotika lassen sich die meisten Infektionen in der Stillzeit gut behandeln. Im Zweifelsfall kannst du deinen Arzt bitten, sich an die Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie in Berlin zu wenden. Oder frag deinen Kinderarzt oder Gynäkologen. Sie wissen häufig genauer, welche Medikamente während des Stillens zulässig sind.

Scharfe Gewürze und blähende Bohnen – bekommt mein Baby alles zu spüren, was ich esse?

Nein. Es gibt keinen Beweis, dass blähende oder andere derartige Stoffe in die Milch übergehen. Schließlich findet die Verdauung im Darm der Mutter statt. Was das Kind bekommt, ist wunderbar verarbeitete Muttermilch – Nährstoffe in ihrer Endform. Solltest du dennoch den Eindruck haben, dein Baby verträgt etwas nicht, liegt es daran, dass das Verdauungssystem des Kindes noch nicht ausgereift ist. Dann gilt: Die Verdächtigen nacheinander vorübergehend vom Speisezettel streichen. Bessern sich die Symptome nicht, liegen die Ursachen woanders, du kannst normal essen! Verträgt dein Kind tatsächlich ein Nahrungsmittel nicht, kannst du es einige Wochen später erneut testen, wenn das Verdauungssystem reifer ist.

Ich will meine Haare färben. Darf ich das?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen.
Zwar ergab eine Heidelberger Studie, dass Chemikalien aus Haarfärbemitteln in der Muttermilch und im Fettgewebe des Säuglings nachweisbar sind. Es gibt aber keinen einzigen Fall, der darauf hindeutet, dass ein Kind durch das Haare färben der Mutter vergiftet oder geschädigt wurde. Wenn eine Frau sich mit neuer Haarfarbe glücklicher fühlt und ausgeglichener ist, soll sie dies tun. Wechselt sie jedoch aus Modegründen alle zwei Wochen die Farbe, sollte sie überlegen, ob dies wirklich sein muss. Mütter sollten in dieser Zeit ausprobieren, Naturfarben zu benutzen, gegebenfalls auch nur Strähnchen machen zu lassen.

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Ich lackiere mir gerne die Fingernägel. Ist das problematisch?

Die Körperoberfläche, mit der Nagellack in Kontakt kommt, ist äußerst klein. Damit sind die Dosen, die in den Organismus gelangen können, minimal. Nägel lackieren ist erlaubt. Die Frauen sollten, wenn möglich, ein Formaldehydfreies Produkt benutzen.

Eine einzige Zigarette am Tag, das kann doch nicht schaden, oder?

Doch, das schadet auch!
Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Kinder aus Raucherhaushalten später deutlich häufiger beim Kinderarzt wegen Atemwegserkrankungen und Magen-Darm- Beschwerden sind. Ich rate Müttern daher dringend, sich schon in der Schwangerschaft das Rauchen abzugewöhnen und dies nach der Geburt beizubehalten. Die Wohnung sollte eine rauchfreie Zone sein.

Ich möchte wieder joggen gehen. Schadet das der Milch?

Nein. Die Vorstellung, Muttermilch könne durch schnelles Laufen sauer werden, gehört ins Reich der Mythen.
Man nimmt an, dass sich der Geschmack ändern kann, weil sich bei sehr ausgiebiger Bewegung vermehrt Milchsäure in den Muskeln bildet. Die Milch ist aber auf jeden Fall bekömmlich. Schmeckt dem Kind die Milch dennoch nicht, solltest du einfach vor dem Laufen stillen. Wichtig: Baue dir vorher einige Wochen lang deine Beckenbodenmuskulatur wieder auf. Lasse dich dabei von deiner Hebamme beraten. Trage beim Sport einen gut stützenden BH, und gleiche nach dem Training den Flüssigkeitsverlust aus. Übertreib nicht. Maßvolles Joggen (oder auch Walken oder Radfahren) ist für junge Mütter besser.

Darf ich während des Stillens abnehmen?

Mache während des Stillens keine Abnehmexperimente!
Deine überzähligen Schwangerschaftskilos kannst du über’s Stillen wieder loswerden. Ein Teil der Pfunde wird extra während der Schwangerschaft für die Stillzeit angelegt. Insofern ist Stillen eigentlich Diät. Die Pfunde werden jetzt verarbeitet. Andere Diät-Experimente solltest du lieber sein lassen. Die Gefahr eines Mangels für dich ist zu groß. Außerdem setzt zu starke Gewichtsreduktion im Fettgewebe gespeicherte Schadstoffe frei, was zu einer erhöhten Belastung der Muttermilch führen kann!

Ich habe ein Brustwarzenpiercing. Stört das beim Stillen?

Ja. Du solltest das Piercing für die Stillzeit herausnehmen. Beim Stechen der Piercinglöcher können Milchausführungsgänge verstopft oder beschädigt worden sein. Dies lässt sich aber erst mit dem Milcheinschuss feststellen. Frauen mit Piercing sollten sich daher auf jeden Fall Hebammenhilfe fürs Wochenbett sichern – damit bei Komplikationen, wie zum Beispiel einem Milchstau, schnell fachkundige Hilfe möglich ist.

Kann ich mir beim Zahnarzt eine Betäubungsspritze geben lassen?

Das ist möglich. Der Betäubungsstoff wird schnell abgebaut und bleibt vorwiegend dort, wo er gebraucht wird: im Zahnbereich. Er ist in der Milch nicht nachweisbar. Alle heute üblichen örtlichen Betäubungsmittel, die beim Zahnarzt oder bei anderen Eingriffen angewendet werden, sind kein Grund, das Stillen hinauszuzögern oder zu unterbrechen.

Macht es etwas aus, wenn ich Parfüm auftrage?

In Parfüm wie in Waschmitteln stecken oft so genannte künstliche Moschusverbindungen, die über den Kreislauf der Mutter in die Milch gelangen. Man hat beobachtet, dass sie in Milchproben weit verbreitet sind. Also nur noch Kernseife statt wohlriechender Düfte? Diese Konsequenz halte ich für übertrieben. Einen Tropfen Parfüm hinter das Ohr zu tupfen ist okay. Ich empfehle, den Duft auf Kleider und Haare zu geben, so vermeidest du Hautkontakt. Aus einem anderen Grund rate ich zudem, in den ersten Stillwochen überhaupt kein Parfüm zu verwenden: Neugeborene erkennen ihre Mütter über den Duft. Auch die Brust finden sie über den Geruch. Ein starkes Parfüm kann sie irritieren und zu Stillproblemen führen. Deshalb solltest du direkt nach der Geburt und in der ersten Zeit, in der das Stillen noch gelernt wird, auf Parfüm oder parfümierte Deos verzichten.

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One thought on “Die Do’s und Don’ts beim Stillen

  1. hm, das Stillen eine Diät bedeutet hört sich gut an – sicherlich ein guter Grund für viele Frauen doch zu Stillen 😀

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