Schreiende Babys sind normal – Zur Welt Kommen aus Kinderaugen

Erich Kasten / pixelio.de

Hilfe, bei uns ist plötzlich ein kleiner Tyrann eingezogen! Wir können tun, was wir wollen, das Baby ist einfach nicht zufrieden zustellen. Wir wickeln es, füttern es, baden es, “waschen ihm den Kopf”, wiegen es, singen ihm Schlaflieder vor, wir versuchen verzweifelt wirklich alles; wir massieren das Bäuchlein, kaufen Anti-Blähöl, ja wir lassen es sogar freimütig pupsen, ohne die Nase zu rümpfen, unterstützen es mit dem Fliegergriff, bespaßen es, ziehen dumme Grimassen, sprechen Fantasiesprachen, doch der kleine Tyrann, wir nehmen es ihm nicht wirklich übel, aber er weint uns in die Verzweiflung. Das Gefühl der Machtlosigkeit schleicht sich ein.

Mir ist es auch schon passiert, dass ich einmal nicht wusste, was zu tun ist. Ich wollte meinte Tochter Ava ganz vorsichtig anziehen, aber sie hat nur wie verrückt geschrien und hörte nicht auf. Das Anziehen ist am Anfang ohnehin schwierig, weil einer ja nichts kaputt machen will; in diesem Moment hatte ich aber das Gefühl, ich mache einfach alles falsch.

Unabhängig davon, was du nun machst, manchmal bleibt diese Frage: Warum weint das Baby denn? Es hat doch alles! Die Frage kann ich natürlich auch nicht genau beantworten, manchmal ist es halt wirklich schwierig herauszufinden, was los ist. Ein Grund aber der meines Erachtens häufig übersehen wird, ist, dass Babys nicht alleine liegen wollen. Und mal ganz ehrlich, wer würde gerne, wenn er sich nicht bewegen kann, in einem Bett liegen und die Decke anstarren wollen? Da hilft auch ein eleganter Babyfunpark nichts.

Schreiende Babys sind normal

Hat es auf der Welt schon ein Baby gegeben, dass niemals schrie? Würdet ihr euch nicht Gedanken machen, wenn das Baby niemals nörgelt und immer mit allem zufrieden ist? Womöglich würdet ihr dann vermuten, dass das Baby stumm oder vielleicht noch schlimmer dumm ist. Also vorweg: Mit der Erfahrung, dass Babys scheinbar grundlos schreien, steht ihr nicht alleine da.

Aber dennoch übersehen viele Eltern einen häufigen Grund, warum das Baby schreit: Babys wollen nicht alleine sein. Das ist ganz normal. Von unserem ausgewachsenen Standpunkt allerdings wissen wir, dass wir auch mal hin und wieder allein sein müssen und wollen, daher denken wir, dass Babys das auch in der Form automatisch können müssten. So auch bei dieser Frage:

“Hallo, meine Tochter (7 Wochen) will am liebsten den ganzen Tag nur rum getragen werden, wenn sie wach ist. Einschlafen will sie nur an der Brust oder auf den Armen ( am liebsten auf Papas Armen). Was habt ihr gemacht das es besser klappt? Ich weis echt nicht mehr weiter, auch wenn wir in der Stadt sind und der Kinderwagen hält an, wacht sie auf und fängt das schreien an. Hoffe ihr habt ein paar Tipps…”. (Quelle: http://de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20100608134053AACnkbf)

Überlegt doch mal: Die erste Erfahrung, die Babys machen, ist das wohlige intra-uterine Milieu. Die Ungeborenenrechte dort in Muttis sind Bauch sind einfach mal gigantisch. Von der Nabelschnur versorgt, braucht sich das Baby nur wie andere morgens im Bett von einer Seite auf die andere drehen. Und mit einem Schlag, mit der Geburt, sollen diese eingewöhnten Rechte ihr Ende finden? Das Zur-Welt-Kommen hört doch nicht schon mit dem Zur-Welt-Kommen der Geburt auf. Kinder müssen sanft in die Welt der Umgebung hineingleiten. Sie lernen nur langsam, wie mit dieser Welt umzugehen ist; sie kommen nur langsam zur Welt und dafür gibt es leider keinen beschleunigenden Trick, wie in der Frage erwünscht. Es gibt keinen Trick, der wie in einem Kartenspiel die Angstkarte von 0 auf gleich verschwinden lässt. Babys weinen, weil sie schockiert sind von einer reizüberflutenden Welt, einer Welt, die permanent bedrängt von außen, als auch von innen. Mit einem Schlag muss das Baby mit seinen ganzen Körperfunktionen klar kommen. Selbst Vierjährige wissen zum Beispiel häufig noch nicht, was Müdigkeit bedeutet und sacken einfach zusammen, wenn es einfach nicht mehr geht. Babys weinen auch, weil sie alles einfach überfordert und als Hilfe brauchen sie euch, die Eltern. Dass das Kind von der Fragestellerin also auf dem Arm nicht weint, ist ganz normal, denn dort fühlt sie sich sicher. Das Vertrauen zu einer Welt, die einen auch mal alleine lässt, muss erst erworben werden. Und dieses Urvertrauen bekommen sie von euch und nicht durch einsame Nächte, die sie durchschreien müssen.

3 thoughts on “Schreiende Babys sind normal – Zur Welt Kommen aus Kinderaugen

  1. Hallo …
    Ich habe 2 Kinder, 10 und 7 Jahre alt. Die Tochter (10) war ein Schreikind. Was haben wir durchgemacht. Aber unser Kinderarzt hat mal zu mir gesagt: “Was schreit, lebt”… drei kleine Worte, die zum Mantra wurden… wenn sie wieder ne Nacht durchgeschrien hat, haben wir uns gesagt: besser wie “der plötzliche Kindstod” … je mehr sie schreit desto besser der Stoffwechsel und die Lungenfunktion. Sie war nur 48 cm groß und wog 2600g bei Geburt.
    Sie hat die Umstellung und die Reizüberflutung nicht gepackt. Nach ca. 1Jahr war der Spuk vorbei.
    Ich wünsche allen Eltern in solchen Situationen ganz starke Nerven, viel Kraft und Durchhaltevermögen… nen Geheimtipp gibt es leider nicht…
    Haltet durch, ihr schafft das und sie schreien nicht ewig. Wir haben immer abgecheckt: Hunger, Durst, müde, volle Windel, Bauchweh… Und wenn sich herausstellte, dass es einfach “nur” schreien war, dann haben wir ihr gezeigt, dass wir da sind… mehr kann man eigentlich fast nicht machen…
    Liebe Grüße – Claudia

  2. Ja, unser Knirps ist morgen genau ein Monat alt und hat es auch sehr gerne von mir herumgetragen zu werden. Das genieße ich als Papi auch sehr, da ich einen 50 Stunden Job habe. Da ist mir jede Stunde kostbar.

    Und wenn er schreit, finde ich das OK – eben aus den Gedanken, die Du auch in diesen Blogeintrag formuliert hast. Danke dafür -> es gehört einfach dazu!!!

  3. Hey, ich bin mal so frech und schreibe mal was auf der Seite. Sieht schnieke aus! Ich nutze seit kurzem auch WordPress verstehe aber noch nicht alle Funktionen. Deine Seite ist mir da immer eine tolle Anregung. Weiter so!

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